Die Historie ab 1846

Wie alles einmal anfing - die alte Privatschule

Vor 1846 Kalthof liegt direkt an der Grenze zwischen der Grafschaft Limburg im Westen und dem Herzogtum Westfalen, das zur Grafschaft Mark gehört (Cöllnisch-Märkisch) im Osten. Mehrfach wechselt Kalthof die Zugehörigkeit zu den verfeindeten Herrschaftsbereichen. Die Kinder von elf Bauernfamilien werden in einer Privatschule unterrichtet, an der die Lehrer Herbst, Ochel und Jakobs wirken.
1846 Lehrer Wilhelm Schröder übernimmt die Leitung der Privatschule, die in eine öffentliche Schule umgewandelt wird. Diese Schule ist einklassig, d.h. alle Jahrgänge von 1-8 werden gemeinsam unterrichtet. Lehrer Schröder hat bis 1884 an dieser Schule gewirkt und war als Vogelkundiger in Westfalen bekannt. Ein Zimmer seines Wohnhauses hatte er als Vogelhecke eingerichtet.

Kurz vor der Märzrevolution - die erste Schule wird gebaut

1847"Der Bau eines Schulhauses zu Kalthoff, veranschlagt Summa 1839 Thlr. soll in termino den 29. Mai 1847, Morgens 10 Uhr, in der Behausung des Gastwirts Herrn Schulte zu Kalthoff dem Wenigstfordernden öffentlich verdungen werden. Unternehmenslustige werden hierzu eingeladen, mit dem Bemerken, daß Vorwarden und Kostenanschlag bei dem Herrn Lehrer Schröder daselbst zur Einsicht offen liegen" (aus einer öffentlichen Bekanntmachung vom 14. Mai 1847).
Schon kurze Zeit später wird das neue Schulgebäude gebaut. Es hat nur einen Klassenraum.
Einige Jahre danach wird das Lehrerwohnhaus gebaut. Es stand an dem Ort, wo sich heute der Schulhof befindet.
1884 Nachdem Lehrer Wilhelm Schröder schwer erkrankt ist, übernimmt Lehrer Heinrich Schulze-Beckinghausen die Leitung der Schule. Er ist außerdem Leiter des 1881 in der Mühle Grote gegründeten Männerchors Kalthof.

Kaiser Wilhelm II regiert in Preußen - die zweite Schule entsteht

1910 Durch die wirtschaftliche Entwicklung siedeln sich immer mehr Handwerker, besonders Kettenschmiede, in Kalthof an. Die Schülerzahl wächst rapide, so dass eine zweiklassige Schule notwendig wird. Die alte Fachwerkschule wird für 120 Mark zum Abbruch an den Händler Schulte in Gruland verkauft und ein neues Steinhaus für 11765 Mark errichtet. Der Maurermeister Fritz Ebbing aus Kalthof führt die Maurerarbeiten aus.
Die neue Schule wird durch den Kreisschulinspektor Von der Kuhlen eingeweiht. Unter den Ehrengästen sind die Hennener Pfarrer Wiemer (lutherisch) und Schäfer (reformiert), der Gemeindevorsteher Schwarzelühr und der Schulvorsteher Bedehäsing. Die Schülerzahl ist auf 116 Kinder angewachsen, so dass eine zweite Lehrerstelle erforderlich wird. Diese Lehrerstelle wird dem Lehrer Walter Lodewig aus Iserlohn übertragen. Zur Schule gehört auch eine Menge Grund und Boden: Hofraum 505 qm, Weide 3537 qm, Weg 15 qm, Garten 3067 qm, Acker 5789 qm, ingesamt 12913 qm.
Garten und Acker werden vom Lehrer und von den Schülern bewirtschaftet, um zum geringen Lehrergehalt ein Zubrot als Selbstversorger zu haben. Im Schulgarten arbeiten Jungen und Mädchen und werden von fachkundigen Eltern in die landwirtschaftlichen Arbeiten und Tätigkeiten eingewiesen.
Um die Schule Refflingsen zu entlasten, werden am 31. Oktober 1910 Leckingser Kinder an die Schule Kalthof überwiesen.
1910 Am 30. September wird nahe der Schule der Bahnhof Kalthof eingeweiht. Um 11.30 Uhr fährt der erste mit Ehrengästen besetzte Zug. Damit erhält das Dorf Anschluss an die neue Eisenbahnlinie Iserlohn-Schwerte. Es halten täglich 7 Zugpaare; 3 weitere fahren ohne Halt durch.
1912 Lehrer Walter Ludewig übernimmt eine Lehrerstelle in Hagen-Haspe. Sein Nachfolger wird der Schulamtsbewerber Emil Brakelmann aus Kessebüren bei Unna.
1914 Schule und Lehrerwohnhaus werden mit elektrischem Licht versorgt.

Weimarer Republik - in Kalthof beginnt die Ära Brakelmann

1918 Lehrer Schulze-Beckinghausen stirbt. Lehrer Emil Brakelmann wird die Verwaltung der ersten Lehrerstelle übertragen.
1921 wird die bis dahin dreiklassige Schule mit zwei Lehrkräften zu einer zweiklassigen, weil die Schülerzahl auf 111 Kinder gesunken ist: Lehrer Heimann Jahrgang 1-4: 65 Schüler und Lehrer Brakelmann Jahrgang 5-8: 46 Schüler.
1929 Das Wasser des an der Südseite des Lehrerwohnhauses gelegenen Brunnens, das Lehrerfamilie und Schulkinder gemeinsam nutzen, ist durch die in der Nähe liegenden Toiletten für die Menschen gesundheitsgefährlich. Ein neuer Brunnen wird in 30m Entfernung vom Lehrerwohnhaus in westlicher Richtung angelegt. Der Rutengänger Karl Kordt aus Leckingsen hat die Wasserader entdeckt. Die bisherige Schwengelpumpe wird durch eine elektrische Pumpenanlage ersetzt. Für die Schulkinder wird an der Nordseite des Lehrerwohnhauses eine Zapfstelle angebracht. Die Kosten der Pumpenanlage betragen 645,30 Mark.
1931 Umschulung einer größeren Zahl von Kindern nach Refflingsen und Hennen und Verlegung der zweiten Lehrerstelle an die Schule Hennen. Die Schule Kalthof hat nur noch 48 Kinder und wird wieder einklassig. Mit dieser Maßnahme und der vollständigen Auflösung der einklassigen Schule Rheinen erhält die Schule Hennen eine Hauptlehrerstelle. Beide Maßnahmen erfolgen auf Betreiben des Gemeindevorstehers Fritz Späing aus Hennen und erregen sehr den Unwillen der Kalthofer Bürger, zumal in Hennen ein drittes Klassenzimmer angebaut werden muß. Zur Beruhigung der Kalthofer Eltern verspricht Fritz Späing den Bau einer größeren Schule im Mittelpunkt der Ortschaften Kalthof, Leckingsen und Refflingsen. Dieses Versprechen wird aber erst 30 Jahre später Wirklichkeit.
Das Dach des Wohnhauses wird mit neuen Falzziegeln gedeckt. Das Dach des Stallgebäudes wird umgelegt und mit neuen Strohdocken versehen. Die Waschküche (Viehküche) erhält Zementplatten. Die zum Bahnhof führende Straße muss verbreitert werden wegen des immer stärker werdenden Verkehrs. Von dem Dienstland des Lehrers wurde ein entsprechend breiter Streifen abgenommen.

Nationalsozialismus - das dunkle Kapitel der Chronik

1933 Die Schule erwirbt aus Spenden ein Radio-Empfangsgerät (Volksempfänger). Dieser einfache und billige Audion-Geradeausempfänger für Mittel- und Langwelle im Bakelitgehäuse wurde im Auftrag von Joseph Goebbels entwickelt, damit die nationalsozialistische Propaganda das Volk besser erreichte. Tagsüber konnte man mit diesem Gerät nur den Ortssender empfangen; in den Abend- und Nachstunden war jedoch durch geschicktes Einstellen der Rückkopplung und Benutzung einer Hochantenne auch der streng verbotene Empfang von Auslandssendern möglich.
1936 Von dem Dienstland des Lehrers wird zum Bau von Eigenheimen ein halber Morgen verkauft. Bebaut werden drei Teile des Grundstückes von 1. Heinrich Wieschendahl, Rheinermark, 2. Fritz Claus, Kalthof, 3. Bernhard Kirch, Kalthof. Ein weiteres Stück Wiesenland wird vom Kohlenhändler H. Dröge als Kohlenlager erworben und ein anderes Stück Land als öffentlicher Schuttabladeplatz genutzt. Dadurch wird dem Lehrer die Möglichkeit genommmen, wie früher eine Kuh und zwei Schweine zu halten und seine Selbstversorgung stark eingeschränkt. Da die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) sich sehr für diesen Verkauf des Dienstlandes eingesetzt hat, war Einspruch zwecklos.
Da ein Klassenzimmer seit 1931 nicht mehr unterrichtlich genutzt wird, richtet die NSV (Nationalsozialistische Volksfürsorge) hier einen Erntekindergarten zur Entlastung der Mütter ein. Die erste Kindergärtnerin ist Fräulein Hilde Fiess.
1939 Währen des Krieges fällt der Unterricht oft aus, und häufiger müssen bei Fliegeralarm die eigens hierfür vorsorglich gebauten Bunker aufgesucht werden. Die Bunker befanden sich da, wo heute die Turnhalle steht.
1943 Zur Unterbringung des Dauerkindergartens wird auf dem Dienstland der Schule eine Baracke erbaut und eingerichtet. Durch den Zuzug von Evakuierten aus dem Ruhrgebiet wächst die Schülerzahl auf 87, so daß die zweite Lehrerstelle wieder besetzt werden kann.
1944 Die Gefahr durch Fliegeralarm nimmt ständig zu.Deshalb werden zwei überdeckte Stollen in dem Obsthof des Lehrerwohnhauses an der Nord- und Südseite zum Schutze der Kinder angelegt. Die Stollen sind innen mit Brettern verschalt, haben Sitzgelegenheiten und bieten Platz für etwa 180 Kinder. Sie sind 1,5 Meter dick mit Baumstämmen und Dachpappe abgedeckt.
1945 Am 15. April wird das Schulgebäude durch feindlichen Artilleriebeschuß um die Mittagszeit zu 75% zerstört. Rund 20 Volltreffer hatten das Dach, die Bodendecke und die Ost- und einen Teil der Südwand stark zerstört. Die Gesamtzahl der Granattreffer allein auf dem Schulgrundstück war 40. Das Wohnhaus erhielt zwar keinen Volltreffer, wurde aber durch 120 bis 130 mehr oder weniger große Granatsplitter außen und innen stark beschädigt. Ein Kleiderschrank wies acht verschiedene Durchschläge auf, wodurch sämtliche sich darin befindliche Garderobe vollständig unbrauchbar geworden war. Nicht eine Fensterscheibe war mehr ganz. Das Dach war zum Teil abgedeckt. Im Obsthof und Garten waren insgesamt 13 Obstbäume total vernichtet. Der restliche Teil hatte unter dem Beschuß stark gelitten. Das Inventar der Schule, die Lehr- und Lernmittel, waren hunderprozentig zerstört, letztere gingen allerdings auch durch Diebstahl zu einem Teil verloren. Zum Glück kommt kein Mensch zu Schaden, obwohl sich kurz vor dem Beschuss noch 80 Menschen in einem als Notunterkunft genutzen Klassenraum und in der Schulbaracke aufgehalten haben. Der starke Beschuss soll erfolgt sein, weil im zweiten Klassenzimmer eine Befehlsstelle der Wehrmacht untergebracht war und deren Funkstelle angepeilt worden war.

Besatzungszeit - die Schule ein Provisorium

1945 Nach der Besetzung Kalthofs durch amerikanische Truppen ruht der Unterricht ganz. Am 24. September 1945 wird der Unterrichts für die Klassen 1 - 4 in der behelfsmäßig eingerichteten NSV-Baracke wiederaufgenommen. Die Baracke stand parallel zur Straße etwa dort, wo sich heute der südwestliche (letzte) Anbau befindet.
1946 Am 18. Januar 1946 wird mit Genehmigung der Militärregierung auch der Unterricht für die Jahrgänge 5 - 6 wiederaufgenommen. Es wird in der Baracke Vor- und Nachmittagsunterricht erteilt. Am 29. April 1946 wird der Saal der Gastwirtschaft Griese für den Unterricht der vier oberen Jahrgänge angemietet. Als Mobiliar dienen Tische und Stühle aus dem ehemaligen Schützenzelt Drüpplingsen.
Im Herbst wird mit dem Wiederaufbau des Schulgebäudes begonnen. Die Maurerarbeiten führen aus: Wilhelm Heumann, Leckingsen; die Dachdeckerarbeiten: Dachdeckermeister Bechtel, Letmathe; die Klempnerarbeiten: Klempnermeister Terfloth, Iserlohn; die Dachstuhlreparatur: Stellmachermeister Fritz Schewe, Kalthof; die Anstreicherarbeiten: Walter Claus, Iserlohn.
1947 Als Ersatz für das durch Kriegseinwirkung zerstörte Radiogerät erhielt die Schule am 2. Januar 1947 ein neues Rundfunkgerät (Lorenz) zugeteilt. Kurze Zeit darauf wurde dieses seitens des Amtes Ergste durch ein repariertes Wehrmachtsgerät (Telefunken) ausgetauscht. Der Lorenz-Apparat kostete 250 Mark.
Am 17. Februar 1947 wird der Unterricht in dem wiederaufgebauten Schulgebäude aufgenommen. Durch den Zuzug von Ostflüchtlingen ist die Schülerzahl auf 137 gestiegen. Schulamtsbewerber Ralph Hahn-Kruppa wird als dritte Lehrkraft eingestellt. Die Schule ist damit dreiklassig mit 3 Lehrkräften.
Da die Klassenräume nach dem Wiederaufbau vollkommen schmucklos waren, schenkte die Frau des Lehrers Brakelmann ein von ihr selbst gemaltes Aquarell mit den Blumen der heimischen Landschaft für die Oberstufe. Die Schulspeise wird von Helene Baitz gekocht. Jedes Kind muß dafür pro Tag und Portion 5 Pf an Unkosten entrichten. 120 Kinder nehmen an der Speisung teil.
1948 sind die Schüler auf die einzelnen Jahrgänge wie folgt verteilt: Lehrerin Breiholz Klasse I (1. + 2. Jahrgang) 68 Schüler, Lehrer Hahn-Kruppa Klasse II (3. + 4. Jahrgang) 51 Schüler, Lehrer Brakelmann Klasse III (5. - 8. Jahrgang) 39 Schüler. Die Gesamtschülerzahl beträgt 158 Kinder. Lehrerin Breiholz heiratet und scheidet aus dem Schuldienst aus. Als Nachfolgerin tritt Lehrerin Helle aus Halingen ihren Dienst an der Schule an.
1949 Am 16. Februar 1949 erhält Lehrer Brakelmann, der nach dem Krieg mehrmals suspendiert worden war, seine Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit. Ab 26. April 1949 wird in vier Wochenstunden durch den Lehrer Ralph Hahn-Kruppa Englischunterricht vom 5. Jahrgang an wahlfrei für sonst gute Schüler/-innen gegen besondere Vergütung erteilt.
Fortsetzung: Die Historie ab 1949